Mittwoch, 8. August 2007

Cowboys in der Stadt

Hallo!

Mein erstes Wochenende wirklich außerhalb dieser Mega-City war ein Traum! Am Freitag bin ich ganz früh mit dem Bus nach Guadalajara gefahren (7h!) und wurde von strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel begrüßt.
Nach dem Einchecken im Hostel, welches das Beste in ganz Mexiko sein soll, bin ich stundenlang ziellos einfach durch die Gegend gelaufen. Guadalajara hat ca. 2 Mio. EinwohnerInnen, ist aber im Gegensatz zu Mexiko Stadt so geordnet und so beruhigend,
dass ich in der Stadt schon am ersten Tag richtig gut entspannen konnte. Ich bin es gar nicht mehr gewöhnt mich auf eine Bank zu setzen und einfach Menschen zu beobachten. Allerdings dauert es hier nicht lange bis man von wildfremden Männern angesprochen wird und so dauert der Moment der Einsamkeit nicht lange an. Nachdem ich mich mit Jesús, einem ca. 50jährigen Arbeiter in einer Süßwarenfabrik unterhalten hatte, bin ich weiter durch das historische Zentrum geschlendert. Am Ende der Fußgängerzonen gibt es einen großen Markt, den Mercado Liberdad. Hier gibt es ALLES zu kaufen: Von Früchten über Spielsachen hin zu Cowboy Equipment. Jalisco, der Staat in dem Guadalajara liegt, vereint ohnehin alle Klischees, die wir so von Mexiko haben. Die Mariachis spielen in ihren bunten Kostümen, Cowboys reiten durch die Dörfer und irgend wo sitzt auch ein Mann mit Sombrero an einer Hauswand und schläft. Es ist so furchtbar, wenn diese Bilder wirklich existieren!
Typisch ist auch, dass immer Leben auf der Straße ist, auch wenn die Geschäfte geschlossen haben. Und immer isst irgend jemand und es wird gebrutzelt. Seitdem sich mein Magen an das Essen hier gewöhnt hat, kann ich nun auch die kulinarischen Köstlichkeiten genießen. Nachos mit Käse und Fleisch sind einfach der Hammer und auch Tacos zu Mitternacht sind nicht übel.
Die Leute im Hostal waren auch voll nett. Mit einigen habe ich am Samstag eine Tour nach Tequila gemacht, von der ich im nächsten Post ausführlicher berichten werde :-)
Guadalajara ist definitiv ein schöner Ort zum Leben. An dieser Stelle einen lieben Gruß an Daya und Caro, die ja bald hier sein werden. Genießt es!
Morgen geht's von der Arbeit aus nach Tlaxaca, welches östlich von Mexiko Stadt liegt. Ich hoffe, ich kann von dort aus die fehlenden Einträge über Tequila und Chapala schreiben.

Liebe Grüße
Tanja

Sonntag, 29. Juli 2007

Trotzkistische Grüße von Frida und Diego

Liebe Freundinnen und Freunde,

hier kommt mal wieder eine E-Mail von mir auf die ihr sicherlich schon sehnsüchtig gewartet habt :-) Kurze Zwischenstatistik: Überfälle: 0, Heiratsanträge: 0, Arbeitsstunden vergangene Woche: 47. Daraus folgt: Wir arbeiten hier zuviel! Aus diesem Grund habe ich vergangene Woche mal Inlandsflüge gebucht und so gehts Mitte August nach Zihuatanejo an den Pazifik und Anfang September nach Cancún in die Karibik. Jeweils zwar nur ein verlängertes Wochenende, aber immerhin werde ich nicht nur diese Stadt, sondern etwas das Land sehen. Werde euch natürlich Fotos vom Strand schicken... Inzwischen habe ich meinen Blog weiter geschrieben und einige Bilder eingefügt. Dies könnt ihr unter tanjatrost.blogspot.com lesen!

Micha und ich sind hier fleißig am Arbeiten. Mittlerweile haben wir einen Überblick über die gewerkschaftlichen Strukturen und sind ab sofort jeden MIttwoch zum Plenum der UNT (Dachverband unabhängiger Gewerkschaften) eingeladen. Das beste an dem Plenum ist das Frühstück. Uns hats vergangenen Mittwoch fast vom Stuhl gehaun, als wir um neun Uhr morgens einen Früchteteller und danach Hähnchen mit Enchiladas bekommen haben. Es ist hier nicht unüblich, dass es zum Frühstück warmes Essen gibt. Auf dem Weg zur U-Bahn gehe ich jeden Morgen an Taco-Ständen vorbei und sehe Menschen morgens um 8h Bohnen mit Fleisch und Maisfladen essen. Ist zwar gewöhnungsbedürftig, wird aber auch nach ein paar Tagen zur Normalität. Das Treffen an sich war natürlich auch interessant. Ich hab zwar nur die Hälfte verstanden, aber die netten Herren im Raum helfen europäischen Praktikantinnen ja sehr gerne. Ich bin hier schließlich Exotin! Daher sind Micha und ich auch auf vielen Fotos zu sehen oder es wird uns gleich die Kamera vor die Nase gehalten, weil wir eben so anders aussehen. Zudem bin ich als Frau hier bei den Treffen "leicht" in der Minderheit, was schon Vorteile haben kann, allerdings kommt mir manchmal auch zuviel Testosteron entgegen. Übrigens wird die ArbeiterInnenrevolution hier nicht mehr lange auf sich warten lassen: Die Gewerkschaften beschlossen einen Generalstreik für Ende August. Zwar hatten Micha und ich ja die Revolution schon für Mitte August geplant, denke aber, dass der neue Termin auch geeignet ist. Mal schaun, ob der Streik wirklich durchgezogen wird, wenn ja, dann schaltet am 1. September mal die Nachrichten ein und achtet auf zwei Deutsche, die in die Kamera winken und Revolution rufen. Ansonsten durchforsten wir internationale Verträge und Abkommen hinsichtlich Arbeitsrechtbestimmungen und versuchen auch da ein System reinzubekommen. Ich weiß jetzt wieder, warum ich kein Jus/Jura studiert habe...

Dieses Wochenende wollte ich eigentlich ganz viel machen, wegfahren, unternehmen, aber da kam mir mein Mitbewohner in die Quere. Am Freitag bin ich extra früh schlafen gegangen, damit ich den Samstag voll ausschöpfen kann. Gegen Mitternacht kamen jedoch Freunde von Andrei zu uns und da war an Schlafen nicht mehr zu denken. Am Samstag Nachmittag bin ich dann doch mal raus gegangen und war im Bosque de Chapultepec, einem riesigen Park hier in der Stadt. Ich bin dann durch die erste Sektion gelaufen, war im Zoo, hab mir dort exotische Tiere, wie z.B. Schwäne und Steinböcke angesehen, bin vorbei an einer Strasse voller Buden mit gelaufen, an denen man von Getränken über Seifenblasen und Schwertern alles kaufen konnte, was das Kinderherz sich wünscht. Am frühen Abend habe ich es dann endlich geschafft in die Frida Kahlo Ausstellung zu gehen. Ja, ich war in einem Museum. Und ich muss euch sagen, ich fands total super. Ihre Bilder sind so fesselnd, dass ich minutenlang vor vielen kleben geblieben bin. Einige ihrer Bilder könnt ihr hier sehen: http://www.abcgallery.com/K/kahlo/kahlo.html Sie war so eine starke Frau, die derzeit in Mexiko Stadt einen richtigen Frida-Boom auslöst. Überall gibts Souvenirs von ihr, die Ausstellung ist ständig voll. Diego Rivera, ihr 2x Mann hat sich in der ganzen Stadt durch seine Murales (Wandgemälde) verewigt. Seine Bilder gibts hier: http://www.abcgallery.com/R/rivera/rivera.html Die Ausstellung findet im Museum der schönen Künst statt (Bellas Artes). Dort sind einige seiner Werke zu sehen, was die Kombination aus Frida und Diego perfekt macht. Wirklich eine sehr gelungene Ausstellung. Allerdings fehlen Sitzgelegenheiten, was nach vier Stunden stehen anstrengend ist.
Heute wollte ich dann eigentlich nach Toluca fahren, das ca. eine Stunde von hier entfernt ist, jedoch kam mir Andrei wieder in die Quere, da wir gestern Abend noch in eine Bar gegangen sind. So wurde nichts aus dem frühen Aufstehen und ich bin "nur" nach Coyacán, einem Viertel hier im Süden, gefahren. Und ich muss sagen, wenn ich mir in Mexiko Stadt eine Wohnung zulegen würde, dann in diesem Viertel. So etwas schönes und lebendiges und künstlerisches habe ich in Europa einfach immer vermisst. Die Strassen sind voller Menschen, überall wird irgendwas verkauft, aus Lautsprechern oder von Combos kommt Musik, die Leute tanzen und feiern das Wochenende. Bei mir um die Ecke ist auch ein Park, da wird samstags immer Tanzunterricht gegeben. Hier ist einfach Leben auf der Strasse. Bevor ich auf die Hauptplätze und in die Markthallen in Coyacán gegangen bin (Coyacán = Ort des Coyoten), war ich im Leo Trotzki Haus. Ich sage euch, das hat mein Herz aufblühen lassen. Er ist hier eingeäschert und in ein Grabstein-Mausoleum "integriert" worden. Fotos findet ihr unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Leo_Trotzki. Leider hat meine Kamera gestreikt, daher muss ich wohl noch einmal hin und Fotos schießen. Dort war es herrlich ruhig und so habe ich mich auf eine Bank gesetzt und die Gedanken schweifen lassen. Zudem fragt man sich bei dem Besuch der Ausstellung und seines Hauses einfach unweigerlich: Warum hatte er einen Eispickel in seinem Arbeitszimmer? Mit diesem wurde er erschlagen. Jedoch: Wozu hat man einen Eispickel in Mexiko dabei? Und dann noch im Arbeitszimmer? Ich kanns ja verstehen, wenn er in der Küche wäre, damit man dort das Eis für den Eisschrank zerhacken kann (oder für Eiswürfel?), aber wie wäre die Geschichte verlaufen, wenn dort dieser Eispickel nicht gestanden wäre? Antworten werden gerne entgegen genommen! Ins Frida Kahlo Haus habe ich es heute wegen Menschenandrang nicht geschafft. Zudem habe ich so Vieles noch nicht gesehen.

Ich hoffe, euch geht's gut und ihr genießt noch immer den Sommer! Haltet die Ohren steif!

Eure Tanja

Montag, 23. Juli 2007

Dort, wo man zu Gott wird

Endlich frei atmen!

Unter diesem Motto stand mein Sonntagsausflug zu den Pyramiden von Teotihuacán (=Dort, wo man zu Gott wird). Ich sag euch gleich, wer mehr darüber wissen will, der sollte den Ort einfach googeln, da ich ja Politikwissenschaftlerin und keine Historikern bin ;-)
Es war wirklich beeindruckend. Schon die Hinfahrt war ein Abenteuer: Stellt euch einen großen Busbahnhof mit mehreren Aufgängen von der U-Bahn zu den Bussen vor und eine verschlafene Tanja, die keine Ahnung, welchen Aufgang sie nehmen muss. Nachdem ich mich - als Touristin geoutet - zu dem Pyramidenbus durchgefragt hatte, bin ich dort von einem fast vollen Bus (Marke alte Ledersitze ohne Beinfreiheit) empfangen worden. Nachdem dann irgend wann auch der letzte Platz bestezt war, fuhren wir eine Stunde über die Dörfer nach Teotihuacán. Hätte ich mal den Reiseführer gelesen und den Bus genommen, der über die Autobahn fährt...

Alleine der erste Eindruck hat mich aber für das frühe Aufstehen und für den sehr nahesitzenden Busnachbarn entschädigt. Wichtig ist, dass man sich gleich am Anfang komplett zum Affen macht und sich so nen schönen Strohhut andrehen lässt. Damit ich letzte Zweifel über den Status (EinheimischeR oder Touri) für alle sichtbar geklärt sind. Ich war wirklich froh, dass nicht nur ich mir so einen Sombrero gekauft habe. Gibt es so etwas wie eine internationale Solidarität unter TouristInnen? In der Mittagshitze war ich froh über meine Freund, den Hut, auch als ich meinen Freund, den Kaktus, wieder gesehen habe. Das schönste jedoch war diese Stille. Ruhe. Einsamkeit. Vögel haben gesungen und keine Polizeisirenen, die im stundentakt am Zimmer vorbei rauschen. Und dann dieses Grün. Und so viele Kakteen! Im Museum war ich auch, was wirklich interessant war. JedeR, der/die mich besser kennt, weiß, dass ich Museen selten von Innen sehe. Dort waren aber nicht nur so Tonsachen ausgestellt, sondern auch die Stadt selbst war nachgebaut, die einst die größte Amerikas war. Da sind wir noch fast auf den Bäumen rumgesprungen, da haben die hier schon erste Politische Systeme aufgebaut. Und eben Pyramiden gebaut. Spätestens sind die HistorikerInnen froh, dass ich PoWi studiere.

Ich bin dann auch brav die Sonnen- und die Mondpyramide hochgelaufen. Das ist gar nicht so leicht, wie man es sich vorstellt. Schnell wird klar, dass Teotihuacán nicht rollstuhlgerecht gebaut wurde. Weder der Weg der Toten, noch die Stufen der Pyramiden laden zum gemütlichen Spazierengehen ein. Nachdem ich den halben Weg zur Spitze der Sonnenpyramide erklommen hatte, habe ich mich erstmal hingelegt und die Aussicht in den blauen Himmel genossen. Dabei bin ich dann wohl auch ein bischen eingeschlafen. (Hab die Nacht zuvor Deutschland im Bier trinken gegen drei Mexikaner verteidigen müssen.) Irgend wann war ich dann doch oben. Nachdem ich dort sämtliche US-amerikanischen Akzente und ein deutsches Ehepaar ertragen habe, schlug ich mich durch die vielen Schmuck- und T-Shirt-Stände am Fuße der Pyramide.

War es auf dem Weg zum Museum noch ruhig, so beherrschten jetzt Pfeiffenlaute kleiner Kinder die Umgebung. Diese kleinen Tonflöten sind ja alleine ganz schön, aber ... Und dazu schießen sie mit Pfeil und Bogen, die man dort auch überall kaufen kann. Wer macht so was? Ich mag Kinder, aber in dem Moment nur gegrillt. Die Mondpyramide war wieder etwas steil und so manche BesucherInnen wussten in diesem Moment, dass sie Höhenangst haben. Bei uns wäre dort wenigstens ein Geländer an jeder Seite oder man dürfte er gar nicht drauf. Hier war zwar in der Mitte was zum Festhalten, aber so wirklich trauen wollte man der Plastik-Stahlseil-Konstruktion nicht wirklich. Das interessante ist nur, dass hier nix passiert. Ich glaube, bei einer Treppe ohne Geländer würden bei uns reihenweise die Leute herunter fallen. Oder nicht? Auf jeden Fall würde das Bauamt kommen oder sonst eine Behörde.

Am Schluss habe ich mir alte Mauern mit Malereien angesehen und bin durch erhaltene Gebäude gelaufen. Dort war dann auch das lustigste Schild, welches ich hier bisher gesehen habe: Keine High-Heels! Und ihr glaubt ja gar nicht, wie viele Tussen hier Stöckelschuhe getragen haben.

Am Nachmittag bin cih dann wieder in Mexiko Stadt angekommen und habe, nachdem ich über den Porno-DVD-Markt gelaufen bin, irgendwie zur U-Bahn gekommen und zu Hause angekommen. Dort haben mich vor der Tür meine zwei Kellner vom Restaurant nebenan schon erwartet, die mir jeden Abend sagen, dass ich bezaubernd aussehe und nicht so lange arbeiten soll. Ist doch schön, wenn man erwartet wird. Und das in der Großstadt.
Das war mein kleiner Sonntagsausflug zu dem Ort, wo man zu Gott wird. Weiß nicht, ob ich jetzt göttlich bin, auf jeden Fall bin ich müde und in ein paar Stunden warten die Gewerkschaften schon wieder auf mich.
Bis bald! Eure Tanja

Freitag, 20. Juli 2007

Willkommen im Alltag


Hola a todas y a todos!

Ich lebe noch immer im Herzen dieser verrückten Stadt. Die letzten zwei Wochen waren doch anstrengender als ich dachte, daher komme ich erst jetzt zum Schreiben. Was habe ich eigentlich gemacht?

An meinem Wochenende war ich mit Micha und ein paar seiner Freunde auf dem Chopo. Das ist ein Alternativmarkt für CDs, Shirts, Bücher und so, auf dem sich wohl die Alternativszene Mexiko Stadts samstags trifft. Lustig ist, dass sich alle Alternativszenen dort treffen: Punks wie Brit-Popper und Gothics wie Hippies. So was hab ich bei uns noch nie gesehen. Ist auf jeden Fall recht lustig, dass sich hier Menschen so unterschiedlicher Interessen friedlich versammeln und ein Jazz-Konzert hören. Danach waren wir Mojito trinken und ich hab schlimme Wörter gelernt...

Tags darauf hat Andrei sein lange erwartetes Gulasch mit Kartoffeln und Reis bekommen. Dafür waren wir extra am Markt einkaufen, der zwar nicht groß ist, aber so bunt und es so viele Dinge gibt, die ich noch nie gesehen habe. Und vor allem muss ich ja alles probieren. Dazu zählt auch Nopal, das ist ein Kaktus, den man in der Pfanne oder auf dem Grill röstet. Gibts im Bioladen auch als Saft (nie wieder!). Und dann gibts Mamé, eine süße Frucht, deren Geschmack ich nicht beschreiben kann. Von der Konsistenz wie Papaya.

Die Woche über hatten wir dann viel mit dem Projekt zu tun, welches sich nun immer mehr konkretisiert. Es soll ein Netzwerk aus Gewerkschaftlerinnen, WissenschaftlerInnen und NGOlerInnen werden, die in Unternehmen Untersuchungen hinsichtlich Arbeitsbedingungen durchführen sollen. Und dafür sind wir jetzt am Lesen der verschiedensten Rechtsquellen, Infos Institutionen und überhaupt. Das Schöne ist, dass wir komplett in den Prozess mit eingebunden sind und nicht nur die Kaffee-Koch-Praktikanten sind. In der gleichen Woche fand zudem noch ein Coloquio, also eine Podiumsdiskussion in einem Hotel direkt am Hauptplatz Zocálo statt. Überhaupt sind wir ziemlich oft in Hotels für Tagungen und Besprechungen. Gestern waren wir im Sheraton. Ich sage euch, nach diesem Praktikum kenne ich sie alle... Der Kaffee war bisher im Sheraton am Besten. Über die Podiumsdiskussion gibts auch einen kurzen Bericht auf Startseite der Homepage www.fesmex.org von mir.

Letzte Woche hatten wir hier dann auch noch Besuch von zwei anderen ASA-Teilnehmerinnen, die nach Guatemala, bzw. El Salvador weitergereist sind. War so komisch, da wir uns ja erst wenige Tage zuvor bei Berlin getroffen hatten und dann zusammen in der U-Bahn in Mexiko saßen. Die Beiden sind mittlerweile wohl auch in ihrem Projekt angekommen und werden durchstarten.

Vergangenes Wochenende war ich dann krank, was bis Mitte der Woche angehalten hat. Aber jetzt fühle ich mich eigentlich ganz fit und werde heute noch einen Artikel für meine Institutszeitung in Wien fertig schreiben. Andrei hat mich zudem total lieb mit Sushi und mit DVDs versorgt- ein Engel! Wie ihr seht: Ich bin im Alltag angekommen. Mir gefällt es wirklich gut hier und mit der Arbeit kann ich mich auch anfreunden.

Am Sonntag werde ich mir mal die Umgebung genauer ansehen und zu den Pyramiden fahren, die ca. 50 km von hier sind. Aber davon dann mehr beim nächsten Mal! Mit den beiden verrückten Jungs arbeite ich hier übrigens. Links das ist Micha und rechts ist Malte. Ich versteh mich voll gut mit ihnen. Das Mädel, das jetzt in El Salvador ist, ist auch eine Freundin von Malte. So klein ist die Welt! Oder so globalisiert ist eine bestimme Menschengruppe auf dieser Welt?

Ich wünsche euch auf jeden Fall ein schönes Wochenende! Genießt eure wüstenartigen Termperaturen.

Bis bald! Hasta luego!

Tanja

PS: Tinchen, alles Liebe zum Geburtstag! Hier hast du noch Geburtstag! Hab dich nicht vergessen! Melde mich morgen bei dir. Kuss an die Familie.



Donnerstag, 5. Juli 2007

Hola de México DF

Hallo meine lieben Leute in der ganzen Welt,

ich bin nach wochenlangen Umzugs- und Verabschiedungsaktionen nun wirklich in Mexiko Stadt angekommen. Ich kanns selbst kaum glauben, dass jetzt ein neuer Lebensabschnitt begonnen hat. Ich hoffe, dass es euch gut geht und den Sommer genießen könnt.


Eines kann ich nach den letzten Wochen sicher sagen: So einen Stress tue ich mir NIE wieder an. NEVER EVER. Der Umzug von Wien zurück nach Franken und dann die Woche Seminar bei Berlin waren wirklich anstrengend. Dazwischen jede Menge Kleinkram, der erledigt werden musste und dann noch der Abschied von Freunden und der Familie, haben mich echt umgehauen. Ich danke hiermit auch der Deutschen Bundesbahn dafür, dass sie ihr Personal nicht anständig bezahlen und dass aus diesem Grund genau an dem Tag gestreikt wird, an dem ich zum Frankfurter Flughafen muss! Einfach in den Zug einsteigen wäre ja auch zu leicht gewesen. (Danke Mama fürs Fahren!)

Der Flug war abenteuerlich und hat ewig gedauert. Immerhin haben die USA jetzt meine Fingerabdrücke und ein nettes Foto von der verschlafenen Tanja. Der Flughafen in Atlanta ist wie ein Bilderbuch-USA-Flughafen aus Serien der 70er Jahre: Alles grau! Und in jedem Zeitungsladen wurden Tabletten verkauft. Muss man dafür bei uns noch in die Apotheke gehen, so gibts dort alles hübsch abgepackt für wenige Dollar. Total verrückt. Ach ja, mein Sitzplatz von Frankfurt bis Atlanta war im Mittelgang in der Mitte inmitten einer College-Reisegruppe voll von Mädchen mit sehr hohen Stimmen aus Oklahoma. Das Leben kann so grausam sein...

Irgendwann nach vielen Stunden bin ich (und das Gepäck) dann wirklich angekommen und so wurden wir ganz lieb vom meinem Mitbewohner Andrei begrüßt. So richtig mit Schild hochhalten. Was ein Spass. Wir waren uns von Beginn an sympatisch und sind es bisher noch immer. Er bringt mich überall hin und holt mich überall ab. Wie sich das gehört für einen jungen Mann :-) Die Wohnung und mein Zimmer gefallen mir sehr gut. Fühle mich wie in einer linken Keimzelle des Widerstandes gegen den kapitalistischen Imperialismus im globalisierten System der hegemonialen Weltordnung. Andrei ist 28, beendet gerade sein Anthropologiestudium und schreibt seine Diplomarbeit über Migration von MexikanerInnen in die USA. Er erklärt mir alle möglichen Denkmäler und Dinge hier und ich kann gar nicht alles aufnehmen. Im Anhang findet ihr ein paar Bilder von meinem Zimmer und meinem Ausblick auf die Strassen der Stadt. Es ist zwar etwas laut (es geht lauter als der Gürtel), die Fenster schließen nicht wirklich und irgend wie ist alles improvisiert, aber mir gefällt das ja. So fühle ich mich am Puls der Stadt, auch wenn ich morgens um 4h das Gefühl habe auf der Strasse zu schlafen :-) Aber wozu gibts Ohropax?
Gestern waren wir im Centro historico, ich noch leicht schwankend, da mein Kreislauf die Umstellung nicht ganz so gut überstanden hat (und dieses Mal war kein Max da, der mich aufgefangen hat :-( , aber nach dem ersten Bier in der ältesten Cantina der Stadt gings dann doch wieder. Es ist echt schön hier. Ich kann gar nicht sagen, dass dieses oder jenes super ist. Kommt her und schauts euch selbst an oder ich schicke in den nächsten Monaten immer wieder Bilder, damit ihr einen Eindruck von der Stadt bekommt. Viele Unterschiede sind bereits jetzt sehr deutlich: Geld am Automaten abheben in meiner Gegend bedarf einiger logistischer Organisation, da eigentlich immer jemand mitkommt und aufpasst und dann wird sofort nach Hause gegangen. Die Geldkarte sollte man nicht mitnehmen (an dieser Stelle einen Dank an die Erste Bank für die grandiose Idee den Internationalen Studienausweis AUF die Bankkarte zu drucken. Bringt mir hier nicht wirklich was :-) und auch beim Bargeld sollte man sich aufs Nötigste beschränken. Jedenfalls sagr mir Andrei das die ganze Zeit. Bisher fühle ich mich nicht unsicher, allerdings war ich bisher nachts auch noch nicht auf der Strasse. Einkaufen ist auch teilweise schwierig, da eben nicht alles in einem Supermarkt zu finden ist und Malls per se abzulehnen sind! So kauft man wenigstens kein unnötige Zeugs. Um unser Haus herum sind viele Stände mit unterschiedlichen Dingen. Hier gibts alles vom Saft über Lebensmittel bis hin zu Adaptern für Steckdosen. Mit Micha, meinem Projektpartner, war ich heute in der Strasse für Sanitär, Lampen und Elektroartikel. Ich kann das kaum beschreiben für Leute, die sowas noch nie gesehen haben. Es gibt für verschiedene Artikel immer bestimmte Strassen oder Viertel in denen Dinge verkauft werden. Dann gibt es eben eine lange Strasse lang nur Bäder und Toiletten. In der Parallelstrasse gibts dann Motoren oder eben was anderes. Total super. Was sind noch die ersten Unterschiede, mal abgesehen von vielen Menschen, mit denen wohl niemand von uns sein Leben gerne tauschen würde? Fast alle sind kleiner als ich, was ich mal sehr sympatisch finde. Da ich ohnehin die Ausländerin bin und permantente Aufmerksamkeit auf mich ziehe, habe ich mir heute eine sehr krasse Handtasche mit shoppenden Tschicksen und Glitzer drauf gekauft. Mal schaun, ob ich eine Gelegenheit habe werden, sie überhaupt anzuziehen, da sie sehr nach "Bitte mich ausrauben" schreit.

Morgen beginnt unser Projekt bei der Friedrich Ebert Stiftung. Ich bin schon sehr gespannt auf das Team, die Arbeit und ob wir der Aufgabe gewachsen sind. Dazu dann zu einem anderen Zeitpunkt mehr.

Für Diskussionen und liebe Nachrichten an mich, habe ich einen Blog eingerichtet: tanjatrost.blogspot.com Hier werde ich hoffentlich etwas mehr reinschreiben, da ich euch nicht mit langweiligen Emails quälen will.

Tut mir übrigens leid, dass ich nicht auf alle Mails vom letzten Mal geantwortet habe. Es war überhaupt keine Zeit. Ich freue mich aber über Babys, bestandene Prüfungen oder einfach ganz normale Alltagsgeschichten. Ich werde mich beim Zurückschreiben bessern. Falls ihr Skype habt, dann added mich noch mal. Darüber läuft Kommunikation oftmals leichter.

Also, macht es jut. Grüßt mir Wien, Fürth, Rotenburg, ...

Bis bald mal wieder!

Eure Tanja

PS: Der Pförtner der deutschen Botschaft kommt aus Nürnberg. So hatte ich den ersten Fürth-Nürnberg-Konflikt bereits hier und ich dachte, irgend wann hört das auf :-)

Donnerstag, 21. Juni 2007

Time to say goodbye

Hallo! Hola! Hi! Ciao!

Es ist mal wieder soweit: Tanja beginnt eine lange Reise und hat viel zu erzählen. Dieses Mal geht's nicht nach Chile, wie die letzten Jahre, sondern zuerst nach Mexiko und dann nach Spanien. Das bedeutet, dass meine Tage hier in Wien bald um sind und ich nach vier Jahren dieser wunderschönen Stadt "Auf Wiedersehen" sagen muss. Ein Wiedersehen wird es sicher geben, da die Uni Wien meine Diplomarbeit ja noch bewerten will...

Nun ja, jetzt geht's erstmal nach Mexiko Stadt für ein Praktikum bei der Friedrich Ebert Stiftung. Das dauert drei Monate und wird hoffentlich spannend werden. Mein Projektpartner Michael und ich sollen dort eine Evalution eines Programms für bessere Arbeitsbedingungen mexikanischer ArbeiterInnen und für mehr Gewerkschaften durchführen. Hier findet ihr eine Projektbeschreibung: www.asa-programm.de/projekt/projektsuche/p00831.html. Wir fahren mit dieser Organsation über die wir ein Stipendium bekommen haben. Was uns dort genau erwarten wird, weiß nur der Tequila, der karibische Strand, die Musik in den Straßen, Kakteen,... ach ja, ich freu mich! Mir ist zwar bewusst, dass ich permanente Atembeschwerden haben und die Stadt nach zwei Wochen verfluchen werde, aber jetzt in der Vorstellung ist sie wunderschön.

Nach dem Praktikum geht's dann weiter nach Madrid an die Uni für ein Jahr. Ich brauche noch ein paar Wahlfächer und da ich die Diplomarbeit auf Spanisch schreibe, ist ein Jahr Madrid wohl nicht so verkehrt. Außerdem war ich da noch nie und auch Madrid braucht Trost :-) Besuch ist übrigens möglich, bin von Oktober 2007-Juli 2008 dort und Madrid ist sicher eine Reise wert.

Meinen Wiener Leuten sei gesagt, dass ich bitte alle vor meiner Abreise noch mal sehen will. Es wird keine große Abschiedsfeier geben, aber jedeR der/die Lust hat am 22.06. abends in einem Park ein Glas Wein zu trinken (oder Bier oder Wasser oder gar nix), der/die ist dazu herzlich eingeladen. Am 23.06 fliege ich dann für eine Woche Vorbereitungsseminar nach Berlin und komme am 29.06. noch mal nach Fürth.

Also, lieber Fürther Leute, meldets euch, wenn ihr nicht selbst gerade irgend wo anders seid. Ich fliege am 03.07. ab Frankfurt nach Mexiko Stadt. Dank Skype habe ich nun auch eine deutsche Festnetznummer: 0911 8949197 unter der ich, bzw. mein Anrufbeantworter zu erreichen sind. Die funktioniert immer, auch in Mexiko und in Spanien :-)

Lasst was von euch hören! Bis bald!

Eure Tanja