Donnerstag, 5. Juli 2007

Hola de México DF

Hallo meine lieben Leute in der ganzen Welt,

ich bin nach wochenlangen Umzugs- und Verabschiedungsaktionen nun wirklich in Mexiko Stadt angekommen. Ich kanns selbst kaum glauben, dass jetzt ein neuer Lebensabschnitt begonnen hat. Ich hoffe, dass es euch gut geht und den Sommer genießen könnt.


Eines kann ich nach den letzten Wochen sicher sagen: So einen Stress tue ich mir NIE wieder an. NEVER EVER. Der Umzug von Wien zurück nach Franken und dann die Woche Seminar bei Berlin waren wirklich anstrengend. Dazwischen jede Menge Kleinkram, der erledigt werden musste und dann noch der Abschied von Freunden und der Familie, haben mich echt umgehauen. Ich danke hiermit auch der Deutschen Bundesbahn dafür, dass sie ihr Personal nicht anständig bezahlen und dass aus diesem Grund genau an dem Tag gestreikt wird, an dem ich zum Frankfurter Flughafen muss! Einfach in den Zug einsteigen wäre ja auch zu leicht gewesen. (Danke Mama fürs Fahren!)

Der Flug war abenteuerlich und hat ewig gedauert. Immerhin haben die USA jetzt meine Fingerabdrücke und ein nettes Foto von der verschlafenen Tanja. Der Flughafen in Atlanta ist wie ein Bilderbuch-USA-Flughafen aus Serien der 70er Jahre: Alles grau! Und in jedem Zeitungsladen wurden Tabletten verkauft. Muss man dafür bei uns noch in die Apotheke gehen, so gibts dort alles hübsch abgepackt für wenige Dollar. Total verrückt. Ach ja, mein Sitzplatz von Frankfurt bis Atlanta war im Mittelgang in der Mitte inmitten einer College-Reisegruppe voll von Mädchen mit sehr hohen Stimmen aus Oklahoma. Das Leben kann so grausam sein...

Irgendwann nach vielen Stunden bin ich (und das Gepäck) dann wirklich angekommen und so wurden wir ganz lieb vom meinem Mitbewohner Andrei begrüßt. So richtig mit Schild hochhalten. Was ein Spass. Wir waren uns von Beginn an sympatisch und sind es bisher noch immer. Er bringt mich überall hin und holt mich überall ab. Wie sich das gehört für einen jungen Mann :-) Die Wohnung und mein Zimmer gefallen mir sehr gut. Fühle mich wie in einer linken Keimzelle des Widerstandes gegen den kapitalistischen Imperialismus im globalisierten System der hegemonialen Weltordnung. Andrei ist 28, beendet gerade sein Anthropologiestudium und schreibt seine Diplomarbeit über Migration von MexikanerInnen in die USA. Er erklärt mir alle möglichen Denkmäler und Dinge hier und ich kann gar nicht alles aufnehmen. Im Anhang findet ihr ein paar Bilder von meinem Zimmer und meinem Ausblick auf die Strassen der Stadt. Es ist zwar etwas laut (es geht lauter als der Gürtel), die Fenster schließen nicht wirklich und irgend wie ist alles improvisiert, aber mir gefällt das ja. So fühle ich mich am Puls der Stadt, auch wenn ich morgens um 4h das Gefühl habe auf der Strasse zu schlafen :-) Aber wozu gibts Ohropax?
Gestern waren wir im Centro historico, ich noch leicht schwankend, da mein Kreislauf die Umstellung nicht ganz so gut überstanden hat (und dieses Mal war kein Max da, der mich aufgefangen hat :-( , aber nach dem ersten Bier in der ältesten Cantina der Stadt gings dann doch wieder. Es ist echt schön hier. Ich kann gar nicht sagen, dass dieses oder jenes super ist. Kommt her und schauts euch selbst an oder ich schicke in den nächsten Monaten immer wieder Bilder, damit ihr einen Eindruck von der Stadt bekommt. Viele Unterschiede sind bereits jetzt sehr deutlich: Geld am Automaten abheben in meiner Gegend bedarf einiger logistischer Organisation, da eigentlich immer jemand mitkommt und aufpasst und dann wird sofort nach Hause gegangen. Die Geldkarte sollte man nicht mitnehmen (an dieser Stelle einen Dank an die Erste Bank für die grandiose Idee den Internationalen Studienausweis AUF die Bankkarte zu drucken. Bringt mir hier nicht wirklich was :-) und auch beim Bargeld sollte man sich aufs Nötigste beschränken. Jedenfalls sagr mir Andrei das die ganze Zeit. Bisher fühle ich mich nicht unsicher, allerdings war ich bisher nachts auch noch nicht auf der Strasse. Einkaufen ist auch teilweise schwierig, da eben nicht alles in einem Supermarkt zu finden ist und Malls per se abzulehnen sind! So kauft man wenigstens kein unnötige Zeugs. Um unser Haus herum sind viele Stände mit unterschiedlichen Dingen. Hier gibts alles vom Saft über Lebensmittel bis hin zu Adaptern für Steckdosen. Mit Micha, meinem Projektpartner, war ich heute in der Strasse für Sanitär, Lampen und Elektroartikel. Ich kann das kaum beschreiben für Leute, die sowas noch nie gesehen haben. Es gibt für verschiedene Artikel immer bestimmte Strassen oder Viertel in denen Dinge verkauft werden. Dann gibt es eben eine lange Strasse lang nur Bäder und Toiletten. In der Parallelstrasse gibts dann Motoren oder eben was anderes. Total super. Was sind noch die ersten Unterschiede, mal abgesehen von vielen Menschen, mit denen wohl niemand von uns sein Leben gerne tauschen würde? Fast alle sind kleiner als ich, was ich mal sehr sympatisch finde. Da ich ohnehin die Ausländerin bin und permantente Aufmerksamkeit auf mich ziehe, habe ich mir heute eine sehr krasse Handtasche mit shoppenden Tschicksen und Glitzer drauf gekauft. Mal schaun, ob ich eine Gelegenheit habe werden, sie überhaupt anzuziehen, da sie sehr nach "Bitte mich ausrauben" schreit.

Morgen beginnt unser Projekt bei der Friedrich Ebert Stiftung. Ich bin schon sehr gespannt auf das Team, die Arbeit und ob wir der Aufgabe gewachsen sind. Dazu dann zu einem anderen Zeitpunkt mehr.

Für Diskussionen und liebe Nachrichten an mich, habe ich einen Blog eingerichtet: tanjatrost.blogspot.com Hier werde ich hoffentlich etwas mehr reinschreiben, da ich euch nicht mit langweiligen Emails quälen will.

Tut mir übrigens leid, dass ich nicht auf alle Mails vom letzten Mal geantwortet habe. Es war überhaupt keine Zeit. Ich freue mich aber über Babys, bestandene Prüfungen oder einfach ganz normale Alltagsgeschichten. Ich werde mich beim Zurückschreiben bessern. Falls ihr Skype habt, dann added mich noch mal. Darüber läuft Kommunikation oftmals leichter.

Also, macht es jut. Grüßt mir Wien, Fürth, Rotenburg, ...

Bis bald mal wieder!

Eure Tanja

PS: Der Pförtner der deutschen Botschaft kommt aus Nürnberg. So hatte ich den ersten Fürth-Nürnberg-Konflikt bereits hier und ich dachte, irgend wann hört das auf :-)

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