Liebe Freundinnen und Freunde,
hier kommt mal wieder eine E-Mail von mir auf die ihr sicherlich schon sehnsüchtig gewartet habt :-) Kurze Zwischenstatistik: Überfälle: 0, Heiratsanträge: 0, Arbeitsstunden vergangene Woche: 47. Daraus folgt: Wir arbeiten hier zuviel! Aus diesem Grund habe ich vergangene Woche mal Inlandsflüge gebucht und so gehts Mitte August nach Zihuatanejo an den Pazifik und Anfang September nach Cancún in die Karibik. Jeweils zwar nur ein verlängertes Wochenende, aber immerhin werde ich nicht nur diese Stadt, sondern etwas das Land sehen. Werde euch natürlich Fotos vom Strand schicken... Inzwischen habe ich meinen Blog weiter geschrieben und einige Bilder eingefügt. Dies könnt ihr unter tanjatrost.blogspot.com lesen!
Micha und ich sind hier fleißig am Arbeiten. Mittlerweile haben wir einen Überblick über die gewerkschaftlichen Strukturen und sind ab sofort jeden MIttwoch zum Plenum der UNT (Dachverband unabhängiger Gewerkschaften) eingeladen. Das beste an dem Plenum ist das Frühstück. Uns hats vergangenen Mittwoch fast vom Stuhl gehaun, als wir um neun Uhr morgens einen Früchteteller und danach Hähnchen mit Enchiladas bekommen haben. Es ist hier nicht unüblich, dass es zum Frühstück warmes Essen gibt. Auf dem Weg zur U-Bahn gehe ich jeden Morgen an Taco-Ständen vorbei und sehe Menschen morgens um 8h Bohnen mit Fleisch und Maisfladen essen. Ist zwar gewöhnungsbedürftig, wird aber auch nach ein paar Tagen zur Normalität. Das Treffen an sich war natürlich auch interessant. Ich hab zwar nur die Hälfte verstanden, aber die netten Herren im Raum helfen europäischen Praktikantinnen ja sehr gerne. Ich bin hier schließlich Exotin! Daher sind Micha und ich auch auf vielen Fotos zu sehen oder es wird uns gleich die Kamera vor die Nase gehalten, weil wir eben so anders aussehen. Zudem bin ich als Frau hier bei den Treffen "leicht" in der Minderheit, was schon Vorteile haben kann, allerdings kommt mir manchmal auch zuviel Testosteron entgegen. Übrigens wird die ArbeiterInnenrevolution hier nicht mehr lange auf sich warten lassen: Die Gewerkschaften beschlossen einen Generalstreik für Ende August. Zwar hatten Micha und ich ja die Revolution schon für Mitte August geplant, denke aber, dass der neue Termin auch geeignet ist. Mal schaun, ob der Streik wirklich durchgezogen wird, wenn ja, dann schaltet am 1. September mal die Nachrichten ein und achtet auf zwei Deutsche, die in die Kamera winken und Revolution rufen. Ansonsten durchforsten wir internationale Verträge und Abkommen hinsichtlich Arbeitsrechtbestimmungen und versuchen auch da ein System reinzubekommen. Ich weiß jetzt wieder, warum ich kein Jus/Jura studiert habe...
Dieses Wochenende wollte ich eigentlich ganz viel machen, wegfahren, unternehmen, aber da kam mir mein Mitbewohner in die Quere. Am Freitag bin ich extra früh schlafen gegangen, damit ich den Samstag voll ausschöpfen kann. Gegen Mitternacht kamen jedoch Freunde von Andrei zu uns und da war an Schlafen nicht mehr zu denken. Am Samstag Nachmittag bin ich dann doch mal raus gegangen und war im Bosque de Chapultepec, einem riesigen Park hier in der Stadt. Ich bin dann durch die erste Sektion gelaufen, war im Zoo, hab mir dort exotische Tiere, wie z.B. Schwäne und Steinböcke angesehen, bin vorbei an einer Strasse voller Buden mit gelaufen, an denen man von Getränken über Seifenblasen und Schwertern alles kaufen konnte, was das Kinderherz sich wünscht. Am frühen Abend habe ich es dann endlich geschafft in die Frida Kahlo Ausstellung zu gehen. Ja, ich war in einem Museum. Und ich muss euch sagen, ich fands total super. Ihre Bilder sind so fesselnd, dass ich minutenlang vor vielen kleben geblieben bin. Einige ihrer Bilder könnt ihr hier sehen: http://www.abcgallery.com/K/kahlo/kahlo.html Sie war so eine starke Frau, die derzeit in Mexiko Stadt einen richtigen Frida-Boom auslöst. Überall gibts Souvenirs von ihr, die Ausstellung ist ständig voll. Diego Rivera, ihr 2x Mann hat sich in der ganzen Stadt durch seine Murales (Wandgemälde) verewigt. Seine Bilder gibts hier: http://www.abcgallery.com/R/rivera/rivera.html Die Ausstellung findet im Museum der schönen Künst statt (Bellas Artes). Dort sind einige seiner Werke zu sehen, was die Kombination aus Frida und Diego perfekt macht. Wirklich eine sehr gelungene Ausstellung. Allerdings fehlen Sitzgelegenheiten, was nach vier Stunden stehen anstrengend ist.
Heute wollte ich dann eigentlich nach Toluca fahren, das ca. eine Stunde von hier entfernt ist, jedoch kam mir Andrei wieder in die Quere, da wir gestern Abend noch in eine Bar gegangen sind. So wurde nichts aus dem frühen Aufstehen und ich bin "nur" nach Coyacán, einem Viertel hier im Süden, gefahren. Und ich muss sagen, wenn ich mir in Mexiko Stadt eine Wohnung zulegen würde, dann in diesem Viertel. So etwas schönes und lebendiges und künstlerisches habe ich in Europa einfach immer vermisst. Die Strassen sind voller Menschen, überall wird irgendwas verkauft, aus Lautsprechern oder von Combos kommt Musik, die Leute tanzen und feiern das Wochenende. Bei mir um die Ecke ist auch ein Park, da wird samstags immer Tanzunterricht gegeben. Hier ist einfach Leben auf der Strasse. Bevor ich auf die Hauptplätze und in die Markthallen in Coyacán gegangen bin (Coyacán = Ort des Coyoten), war ich im Leo Trotzki Haus. Ich sage euch, das hat mein Herz aufblühen lassen. Er ist hier eingeäschert und in ein Grabstein-Mausoleum "integriert" worden. Fotos findet ihr unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Leo_Trotzki . Leider hat meine Kamera gestreikt, daher muss ich wohl noch einmal hin und Fotos schießen. Dort war es herrlich ruhig und so habe ich mich auf eine Bank gesetzt und die Gedanken schweifen lassen. Zudem fragt man sich bei dem Besuch der Ausstellung und seines Hauses einfach unweigerlich: Warum hatte er einen Eispickel in seinem Arbeitszimmer? Mit diesem wurde er erschlagen. Jedoch: Wozu hat man einen Eispickel in Mexiko dabei? Und dann noch im Arbeitszimmer? Ich kanns ja verstehen, wenn er in der Küche wäre, damit man dort das Eis für den Eisschrank zerhacken kann (oder für Eiswürfel?), aber wie wäre die Geschichte verlaufen, wenn dort dieser Eispickel nicht gestanden wäre? Antworten werden gerne entgegen genommen! Ins Frida Kahlo Haus habe ich es heute wegen Menschenandrang nicht geschafft. Zudem habe ich so Vieles noch nicht gesehen.
Ich hoffe, euch geht's gut und ihr genießt noch immer den Sommer! Haltet die Ohren steif!
Eure Tanja
hier kommt mal wieder eine E-Mail von mir auf die ihr sicherlich schon sehnsüchtig gewartet habt :-) Kurze Zwischenstatistik: Überfälle: 0, Heiratsanträge: 0, Arbeitsstunden vergangene Woche: 47. Daraus folgt: Wir arbeiten hier zuviel! Aus diesem Grund habe ich vergangene Woche mal Inlandsflüge gebucht und so gehts Mitte August nach Zihuatanejo an den Pazifik und Anfang September nach Cancún in die Karibik. Jeweils zwar nur ein verlängertes Wochenende, aber immerhin werde ich nicht nur diese Stadt, sondern etwas das Land sehen. Werde euch natürlich Fotos vom Strand schicken... Inzwischen habe ich meinen Blog weiter geschrieben und einige Bilder eingefügt. Dies könnt ihr unter tanjatrost.blogspot.com lesen!
Micha und ich sind hier fleißig am Arbeiten. Mittlerweile haben wir einen Überblick über die gewerkschaftlichen Strukturen und sind ab sofort jeden MIttwoch zum Plenum der UNT (Dachverband unabhängiger Gewerkschaften) eingeladen. Das beste an dem Plenum ist das Frühstück. Uns hats vergangenen Mittwoch fast vom Stuhl gehaun, als wir um neun Uhr morgens einen Früchteteller und danach Hähnchen mit Enchiladas bekommen haben. Es ist hier nicht unüblich, dass es zum Frühstück warmes Essen gibt. Auf dem Weg zur U-Bahn gehe ich jeden Morgen an Taco-Ständen vorbei und sehe Menschen morgens um 8h Bohnen mit Fleisch und Maisfladen essen. Ist zwar gewöhnungsbedürftig, wird aber auch nach ein paar Tagen zur Normalität. Das Treffen an sich war natürlich auch interessant. Ich hab zwar nur die Hälfte verstanden, aber die netten Herren im Raum helfen europäischen Praktikantinnen ja sehr gerne. Ich bin hier schließlich Exotin! Daher sind Micha und ich auch auf vielen Fotos zu sehen oder es wird uns gleich die Kamera vor die Nase gehalten, weil wir eben so anders aussehen. Zudem bin ich als Frau hier bei den Treffen "leicht" in der Minderheit, was schon Vorteile haben kann, allerdings kommt mir manchmal auch zuviel Testosteron entgegen. Übrigens wird die ArbeiterInnenrevolution hier nicht mehr lange auf sich warten lassen: Die Gewerkschaften beschlossen einen Generalstreik für Ende August. Zwar hatten Micha und ich ja die Revolution schon für Mitte August geplant, denke aber, dass der neue Termin auch geeignet ist. Mal schaun, ob der Streik wirklich durchgezogen wird, wenn ja, dann schaltet am 1. September mal die Nachrichten ein und achtet auf zwei Deutsche, die in die Kamera winken und Revolution rufen. Ansonsten durchforsten wir internationale Verträge und Abkommen hinsichtlich Arbeitsrechtbestimmungen und versuchen auch da ein System reinzubekommen. Ich weiß jetzt wieder, warum ich kein Jus/Jura studiert habe...
Dieses Wochenende wollte ich eigentlich ganz viel machen, wegfahren, unternehmen, aber da kam mir mein Mitbewohner in die Quere. Am Freitag bin ich extra früh schlafen gegangen, damit ich den Samstag voll ausschöpfen kann. Gegen Mitternacht kamen jedoch Freunde von Andrei zu uns und da war an Schlafen nicht mehr zu denken. Am Samstag Nachmittag bin ich dann doch mal raus gegangen und war im Bosque de Chapultepec, einem riesigen Park hier in der Stadt. Ich bin dann durch die erste Sektion gelaufen, war im Zoo, hab mir dort exotische Tiere, wie z.B. Schwäne und Steinböcke angesehen, bin vorbei an einer Strasse voller Buden mit gelaufen, an denen man von Getränken über Seifenblasen und Schwertern alles kaufen konnte, was das Kinderherz sich wünscht. Am frühen Abend habe ich es dann endlich geschafft in die Frida Kahlo Ausstellung zu gehen. Ja, ich war in einem Museum. Und ich muss euch sagen, ich fands total super. Ihre Bilder sind so fesselnd, dass ich minutenlang vor vielen kleben geblieben bin. Einige ihrer Bilder könnt ihr hier sehen: http://www.abcgallery.com/K
Heute wollte ich dann eigentlich nach Toluca fahren, das ca. eine Stunde von hier entfernt ist, jedoch kam mir Andrei wieder in die Quere, da wir gestern Abend noch in eine Bar gegangen sind. So wurde nichts aus dem frühen Aufstehen und ich bin "nur" nach Coyacán, einem Viertel hier im Süden, gefahren. Und ich muss sagen, wenn ich mir in Mexiko Stadt eine Wohnung zulegen würde, dann in diesem Viertel. So etwas schönes und lebendiges und künstlerisches habe ich in Europa einfach immer vermisst. Die Strassen sind voller Menschen, überall wird irgendwas verkauft, aus Lautsprechern oder von Combos kommt Musik, die Leute tanzen und feiern das Wochenende. Bei mir um die Ecke ist auch ein Park, da wird samstags immer Tanzunterricht gegeben. Hier ist einfach Leben auf der Strasse. Bevor ich auf die Hauptplätze und in die Markthallen in Coyacán gegangen bin (Coyacán = Ort des Coyoten), war ich im Leo Trotzki Haus. Ich sage euch, das hat mein Herz aufblühen lassen. Er ist hier eingeäschert und in ein Grabstein-Mausoleum "integriert" worden. Fotos findet ihr unter: http://de.wikipedia.org/wiki
Ich hoffe, euch geht's gut und ihr genießt noch immer den Sommer! Haltet die Ohren steif!
Eure Tanja